Tunom von Jerusalem

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Gedächtnis: 18. April oder 19. April (Patriarchat von Jerusalem und russische Auslandskirche)

In der Geschichte unserer Kirche gibt es Momente, in denen Gott „in Stille“ spricht, aber mit einer Macht, die die Grundfesten der Logik erschüttert. Am Karsamstag des Jahres 1579, als die Orthodoxen aus der Auferstehungskirche vertrieben wurden, schlug ein Lichtstrahl vom Himmel herab und traf genau die Säule am Eingang, neben der die Orthodoxen beteten. Von ihr gingen feurige Funken in alle Richtungen aus, und die Kerzen von Patriarch Sofronios IV. entzündeten sich, der das Heilige Feuer an die anwesenden Gläubigen überreichte.

In diesem Augenblick sah ein Mann, der „gegenüber“ stand, Emir Thunom, nicht nur ein Wunder; er sah die Wahrheit. Thunom blieb nicht in Bewunderung. Er sprang vom Hügel und rief: „Groß ist der orthodoxe Glaube, und ich bin Christ!“ Die Wachen stürzten sich auf ihn, doch er sprang aus einer Höhe von mehr als zehn Metern hinunter zu den Christen. In einigen Quellen wird berichtet, dass sich an dieser Stelle seine Fußabdrücke in den Stein eingeprägt hätten. Unten angekommen, ergriffen ihn seine Stammesgenossen und schlugen ihm ohne lange Überlegungen den Kopf ab, aus Angst, andere könnten seinem Beispiel folgen. Der Leichnam des heiligen Märtyrers, der in seinem eigenen Blut getauft worden war, wurde noch dort, auf dem Platz vor dem Tempel, verbrannt. Die Orthodoxen sammelten die Überreste des Heiligen, legten sie in einen Reliquienschrein und stellten sie im Kloster der Ehrwürdigen Melania der Römerin (der Großen Panagia) auf.

Das Licht, das der heilige Thunom sah, war kein visuelles Phänomen, sondern eine Einladung.

„Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern das Licht des Lebens haben.“ (Johannes 8,12)

Das Andenken an den heiligen Thunom erinnert uns daran, dass Glaube kein ererbtes Recht, sondern eine tägliche Offenbarung ist. Es genügt nicht, an Ostern eine Kerze zu halten; wir müssen das Licht die Dunkelheit unserer Leidenschaften durchdringen lassen.

Möge die Botschaft des heiligen Thunom uns helfen, damit wir die Augen unserer Seele öffnen und Gott dort erkennen, wo andere nur verschlossene Türen sehen.